Eine wichtige Konsequenz des Relativitätsprinzips ist, dass man ohne die Annahme eines Weltmittelpunktes auskommt. Dies ist keinesfalls selbstverständlich. Bevor sich das Relativitätsprinzip durchsetzte war die gängige Erklärung für die Schwerkraft das Bestreben schwerer Körper, dem Mittelpunkt des Univerums nahe zu sein. Dass sich die Erde ruhend im Zentrum des Kosmos befand, war also eine physikalische Notwendigkeit und nicht, wie oft angenommen, ein Dogma der christlichen Kirchen.
Heute ist es eine weit verbreitete Ansicht, die Sonne sei der Mittelpunkt des Sonnensystems. Der Übergang vom geozentischen zum heliozentischen Weltbild wird oft als kopernikanische Wende bezeichnet. Die eigentliche Wende, die mit Kopernikus' Arbeiten eingeleitet wurde, war jedoch die, dass man zu einer relativistischen Weltsicht übergegangen ist. Die Einführung des Relativitätsprinzips und nicht die Verrückung des Weltmittelpunkts hat die Physik revolutioniert.
Eine wesentliche Aussage des Relativitätsprinzips ist, dass es keinen ausgezeichneten Punkt im Universum gibt, von dem aus man die Physik betrachen muss. Man kann die Welt überall mit den selben Grundsätzen beschreiben. Auf dem Mond gelten die gleichen physikalischen Gesetze wie hier auf der Erde oder in den Tiefen des Weltraums. Diese Relativität des Ortes ist die Voraussetzung dafür, dass man mit den auf der Erde gefundenen Gesetzmäßigkeiten die Vorgänge auf den Planeten unseres Sonnensyems und im interstellaren Raum beschreiben kann. Der Erfolg der theoretischen Astronomie in der Beschreibung vieler astronomischer Phänomene ist ein starker Hinweis darauf, dass die Relativität des Ortes zumindest eine sehr gute Annäherung an die tatsächlichen Verhältnisse ist.
Die Relativität des Ortes führt direkt zu einer weiteren Relativität. Denn wenn die Welt ebensogut mit der Sonne als Mittelpunkt beschrieben werden kann wie mit der Erde als Mittelpunkt, dann braucht es eine Erklärung warum man von der großen Geschwindigkeit, mit der die Erde um die Sonne kreist, nichts merkt. Immerhin hat die Erde eine Bahngeschwindigkeit von gut 30 km/s, das sind mehr als 100000 km/h. Die physikalischen Gesetze müssen also auch von der Geschwindigkeit mit der man sich bewegt unabhängig sein. Es gibt also auch eine Relativität der Bewegung.
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Letzte Änderung: 15.10.2008
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